Kaufmännische Ausbildung in völlig neuem Gewand

Mit 27. August 2014 sind die neuen Lehrpläne des kaufmännischen Schulwesens (Handelsakademie, Handelsschule, Aufbaulehrgang) veröffent­licht worden (Bundesgesetzblatt Nr. 209/2014). Diese Lehrpläne sind die ersten, die nach dem Modell der neuen Oberstufe ab der 10. Schul­stufe in Kompetenzmodule im Semester gegliedert sind und damit alle Anforderungen der modernen kompetenzorientierten Didaktik erfüllen. Der Lehrplanentwicklung sind Überlegungen vorausgegangen, wie Kompetenzmodelle und prototypische Unterrichtsaufgaben für den kauf­männischen Bereich in zeitgemäßer Form formuliert werden sollen. Von diesem „Bildungsstandardprojekt 2006/07“ bis zu den neuen Lehrplänen sind also gute sieben Jahre Entwicklungsarbeit aufgewendet worden.

Die modular gestalteten Lehrpläne sind nun die Grundlage, die neue Oberstufe mit der neuen Gestaltung der Schullaufbahn (mehr Betreuung für Schüler/innen mit schwächeren Leistungen, weniger Schulstufenwiederholungen, Begabtenmodell für leistungsstarke Schüler/innen) ab 2016 umsetzen zu können. Die kaufmännischen Schulen sind für die nächsten Jahre gerüstet, und einzelne Standorte probieren die neue Ober­stufe bereits in Schulversuchen aus.  Die geforderten Lernergebnisse aller Fächer (Kompetenzen) werden speziell ausgewiesen, um in Zukunft bei europäischen Einstufungsverfahren klare Kriterien bereits über den Lehrplan bereit zu stellen.

Neu an den Lehrplänen ist auch die Zusammenfassung von verwandten Unterrichtsgegenständen zu „Clustern“, wobei die Persönlichkeitsbildung, Sprache und Kommunikation, Entrepreneurship, Gesellschaft und Kultur sowie Mathematik und Naturwissenschaften eine große Rolle spielen. Vom dritten bis zum fünften Jahrgang der Handelsakademie ist auch ein spezifischer Erweiterungsbereich vorgesehen, wo vertiefender  Unterricht erfolgt. Die Ausbildung schließt mit der neuen Reife- und Diplomprüfung ab, wobei der umfangreichen Diplomarbeit, die hauptsächlich im Team abgefasst werden wird,  ein besonderer Stellenwert zukommt. In der Handelsschule wird die Praxisorientierung in Hinblick auf konkrete berufspraktische Lernziele besonders betont.

Die wohl größte Neuerung ist ein verpflichtendes Praktikum von mindestens 150 Stunden (Handelsschule) bzw. 300 Stunden (Handelsakademie) in der unterrichtsfreien Zeit. Die Verpflichtung zu diesen Praktika ist neu, bringt den Handelsschüler/innen neue Möglichkeiten beim Übergang in den Beruf und den Handelsakademiker/innen vielfältige Einblicke in praktische Aufbau- und Ablauforganisationen von Betrieben. Etliche Großbetriebe haben ihr Interesse an Praktikanten/innen angemeldet, die kleineren werden folgen.“

Artikel von SektChef Dipl.-Ing. Mag. Dr. Christian Dorninger, Leiter der Sektion Berufsbildendeschulen, Erwachsenenbildung und Schulsport

Foto SC Dorninger