Vienna Business School Hamerlingplatz: Gedenken an Holocaust-Opfer im Beisein von Bürgermeister Ludwig

Heute, Donnerstag wurde vor der Vienna Business School Hamerlingplatz ein „Stein der Erinnerung“ enthüllt. Die Veranstaltung bildete den Abschluss eines umfangreichen Projektes von vier Schülerinnen der Maturaklasse der Handelsakademie: Sie arbeiteten über 800 Stunden daran, alte Klassenbücher zu digitalisieren und in Archiven zu recherchieren, um die Schicksale der im Holocaust vertriebenen und ermordeten SchülerInnen der Schule zu dokumentieren.

„Es macht mich stolz, Bürgermeister einer Stadt zu sein, die sich sehr für unsere demokratischen Werte einsetzt, in der Antisemitismus, und ich möchte hinzufügen Rassismus, keinen Platz haben. Dass wir uns an die Verbrechen des Holocaust erinnern, ist ganz wichtig für das kollektive Gedächtnis der Stadt“, sagte Bürgermeister Dr. Michael Ludwig anlässlich der feierlichen Enthüllung des Gedenksteins.„Der Schulbetreiber Fonds der Wiener Kaufmannschaft begrüßt diese Initiative der Schülerinnen. Das frühere friedliche Miteinander von Schülern, Schülerinnen, Lehrern und Lehrerinnen wurde 1938 jäh unterbrochen. Wir sollten diese Ereignisse niemals vergessen“, so KommR Helmut Schramm, Präsident des Fonds der Wiener Kaufmannschaft. „Unser Erinnern ist ein Bekenntnis zur Mitverantwortung für das Leid, das unseren jüdischen Schülern angetan wurde. Erinnern kann keine Menschen ersetzen.

Dieser ‚Stein des Erinnerns‘ soll den Opfern ein respektvolles Gedenken bewahren. In unserem schulischen Wirken muss die Würde der Menschen, Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit gefestigt und gesichert werden“, ergänzt Mag. Monika Hodoschek, Direktorin der Vienna Business School Hamerlingplatz, die das Projekt gemeinsam mit Dr. Irmtraud Karlsson vom Verein „Steine der Erinnerung Josefstadt“ initiierte. Auch Mag. Veronika Mickel-Göttfert, Bezirksvorsteherin der Josefstadt, war bei der feierlichen Enthüllung des Gedenksteins anwesend.

Der „Stein der Erinnerung“ macht nun am Hamerlingplatz auf die Schicksale der im Holocaust vertriebenen und ermordeten SchülerInnen aufmerksam. „Wir haben Klassenbücher in über 800 Arbeitsstunden digitalisiert, darin recherchiert, Akten aus Archiven ausgehoben und konnten so zumindest Teile der Lebensgeschichten recherchieren“, erzählt Theresa Galavics, die gemeinsam mit Kollegin Maya Naydenov für den geschichtlichen Teil der Diplomarbeit verantwortlich war.

1938 gab es 13 Prozent jüdische Schüler,

1940 keinen einzigen mehr

„Im Schuljahr 1937/38 gab es noch 72 jüdische Schüler, das waren 13 Prozent, im Schuljahr darauf war es ein einziger, bei dessen Glaubensbekenntnis in den Klassenbüchern ‚mosaisch‘ vermerkt war, kurz nach 1940 gab es gar keine jüdischen Schüler mehr“, zitiert Maya Naydenov aus den Ergebnissen der Diplomarbeit. Nachdem die Schüler –  damals war es außer im Abiturientenkurs eine reine Burschenschule – in den Jahren 1938 bis 1940 die Schule verlassen mussten, was in den Klassenbüchern zumeist verharmlosend als „abgemeldet“ notiert wurde, verliert sich bei vielen Schülern die Spur. Allerdings konnten weitere Recherchen, etwa in der Yad Vashem-Datenbank oder im Archiv der Israelitischen Kultusgemeinde, in einzelnen Fällen Informationen zu weiteren Schicksalen liefern. „Bei einem der Schüler wissen wir, dass er ‚im Rahmen der Shoa verstorben‘ ist, wie es in einem Gedenkblatt der Yad Vashem-Datenbank heißt“, so Schülerin Theresa Galavics.

Rebecca Campa, eine der vier in das Projekt involvierten Maturantinnen, fand die Recherchearbeiten interessant und wichtig, zumal „im normalen Unterricht zu wenig Zeit ist, sich detailliert mit diesem Thema zu beschäftigen“. Sie war gemeinsam mit Kollegin Sabrina Gaal dafür zuständig, die Ergebnisse der Studie, die die vier Maturantinnen gemeinsam erarbeiteten, in andere Klassen und nach außen zu tragen. Viele SchülerInnen setzten sich mit der jüdischen Kultur auseinander und gestalteten Plakate dazu, die im Rahmen der Gedenkfeier zu sehen waren.

Wesentliche Unterstützung erhielt das Projekt der SchülerInnen von den PädagogInnen Mag. Silvia Schmidt, Mag. Anna Wassef und MMag. Bettina Samhaber. Tatkräftig unterstützt wurden die Recherchen auch vom Verein „Steine der Erinnerung Josefstadt“ und dessen Gründerin Dr. Irmtraud Karlsson. Die Gedenkfeier wurde von Hauptsponsor Wiener Städtische Versicherungsverein mitfinanziert. Darüber hinaus waren SeniorInnen aus dem Bezirk involviert, weil die Klassenbücher, in denen recherchiert werden musste, in Kurrentschrift verfasst waren. Das Lesen dieser Schrift gelang den SchülerInnen zumeist sehr gut, aber in einigen Fällen wurde doch Hilfe von SeniorInnen benötigt.

Das Zurückblicken im Rahmen des Projekts war den SchülerInnen wichtig: „Wir können aus der Geschichte lernen. Wenn wir das tun, kann sich das, was damals passiert ist, nicht wiederholen“, formulieren die vier Schülerinnen, die das Rechercheprojekt zum Holocaust durchgeführt haben, ihre optimistische Vision.

Bürgermeister Dr. Michael Ludwig (Mitte) enthüllte am Donnerstag einen „Stein der Erinnerung“, der nun vor der Vienna Business School Hamerlingplatz auf die Schicksale der im Holocaust vertriebenen Schüler hinweist.
Über dieses Zeichen der Erinnerungskultur freuten sich Schülerinnen, Zeitzeuginnen und Schulbetreiber – ebenfalls am Bild, von links nach rechts:

  • Die Schülerinnen Sabrina Gaal und Maya Naydenov (vorne hockend)
  • Dr. Irmtraud Karlsson vom Verein „Steine der Erinnerung Josefstadt“
  • KommR Helmut Schramm, Präsident des Schulbetreibers Fonds der Wiener Kaufmannschaft
  • Margit Fischer, die als Zeitzeugin anwesend war und den Verein „Steine der Erinnerung“ unterstützt
  • Schülerin Theresa Galavics
  • Mag. Monika Hodoschek, Direktorin der Vienna Business School Hamerlingplatz
  • Schülerin Rebecca Campa

Der neue „Stein des Erinnerung“ vor der Vienna Business School Hamerlingplatz.

V.l.n.r.: Sabrina Gaal, Rebecca Campa, Maya Naydenov und Theresa Galavics recherchierten in Klassenbüchern, um die Schicksale der im Holocaust vertriebenen und ermordeten SchülerInnen der Schule zu dokumentieren.

Die Projektgruppe mit dem „Stein der Erinnerung“ vor der Vienna Business School Hamerlingplatz.

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© Harald Klemm  (Honorarfreie Nutzung im Zusammenhang mit dieser Presseinformation.)

Rückfragen:

Fonds der Wiener Kaufmannschaft
Mag. Sabine Balmasovich
T  +43 (1) 501 13-7104
balmasovich@kaufmannschaft.com

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