Wie Schulen aus widrigen Umständen das Beste machen: Ein Bericht aus dem aktuellen Alltag der Vienna Business School Schönborngasse

Viele Lehrerinnen und Lehrer in ganz Österreich haben in den letzten Wochen Großartiges geleistet. Trotzdem stoßen auch Schulen, die sich schon bisher mit digitalen Lernformen beschäftigt haben, an die Grenzen des Machbaren. Wie das Kunststück, in diesen Zeiten zu unterrichten, gelingen kann, zeigt das Beispiel der Handelsakademie der Vienna Business School Schönborngasse. Die Schule will die in der Krise gewonnenen Erfahrungen auch für die Zeit danach nutzen.

„Global zu behaupten, dass sofort alles funktioniert, würde bedeuten, die Situation schönzureden“, sagt Mag. Eveline Grubner, MA, Schulleiterin der Vienna Business School Schönborngasse. 635 Schülerinnen und Schüler besuchen hier die Handelsakademie, die Handelsschule oder den Aufbaulehrgang, sieben Ausbildungsschwerpunkte werden angeboten. Verschiedenste Wünsche und Anliegen von Jugendlichen, deren Eltern und den Lehrkräften müssen unter einen Hut gebracht werden, und natürlich gibt es Ausbildungsziele, die verfolgt werden müssen. Schon in „normalen“ Zeiten ist die Schulleitung eine Herausforderung, jetzt ist sie ein Kunststück.Die Arbeitstage der Direktorin sind jetzt noch länger: Grubner steht um 5:45 Uhr auf, vor 18 Uhr ist an kein Ende der Arbeit zu denken. Es gibt viele Rückmeldungen von Eltern und Schülern, einige Aufträge, die gegeben wurden, sind zu umfangreich und können nicht in der vorgegebenen Zeit abgearbeitet werden. „Natürlich verstehe ich die Lehrkräfte, die nach bestem Wissen und Gewissen versuchen, optimalen Unterricht zu leisten, dennoch ist es sehr schwierig das richtige Ausmaß zu finden. Distance Learning stellt uns alle vor ganz neue Herausforderungen. Damit wir besser auf die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler eingehen können, holen unsere PädagogInnen nun regelmäßig Feedback ein und passen die Länge der Aufgabenstellungen an“, erzählt Grubner.

Und über die Themen, die jetzt viele an den Schulen bewegen, berichtet die Direktorin: „Die größten Herausforderungen sind derzeit, alle zum richtigen Zeitpunkt mit verlässlichen Informationen zu versorgen“ Um die notwendigen Informationen zu bekommen, steht die Direktorin im Dauerkontakt mit der Bildungsdirektion Wien, checkt mehrmals täglich die Webseiten der zuständigen Ministerien und informiert sich – vor allem abends, wenn die dringenden Aufgaben des Tages erledigt sind – über die öffentlichen Medien.

 Foto_1: Beschreibung siehe Text im Bericht

Mag. Eveline Grubner, MA, Direktorin der Vienna Business School Schönborngasse, arbeitet teils aus dem Homeoffice, teils in der Schule. „Normalerweise mache ich keine Selfies“, erzählt die Schulleiterin, die hier – in ihrem Direktionszimmer an der Schule, mit Selbstauslöser fotografiert – eine Ausnahme macht.

Foto: Eveline Grubner, Vienna Business School Schönborngasse

Distance Learning:

Herausforderung für die digitale Infrastruktur

Der IT-Experte Mag. Manfred Klima – er ist auch Pädagoge, an der Vienna Business School Akademiestraße - erklärt, wie der Heimunterricht in großem Maßstab vorbereitet wurde: „Ich habe zunächst alle Lehrkräfte darüber informiert, welche Plattformen in welcher Unterrichtssituation sinnvoll eingesetzt werden können und wie man Tools wie etwa MS Teams im Unterricht nutzt, auch zu häufiger genutzten Tools wie Outlook, OneNote oder OneDrive gab es Fragen. Der Lernwille der Pädagoginnen und Pädagogen ist bemerkenswert. Man merkt, dass sie hier im Sinne der Schülerinnen und Schüler alle Anstrengungen auf sich nehmen, um einen möglichst professionellen digitalen Unterricht durchzuführen. Um die Dimension zu veranschaulichen: An der Vienna Business School gab es in den zwei Wochen seit Mitte März rund 600.000 MS Teams-Nachrichten und E-Mails.“

Klima weiter: „Ich freue mich, dass auch Videobesprechungen und Bildschirmteilung – etwa bei Gruppenarbeiten – intensiv genutzt werden. Damit können wir die räumliche Distanz zum Teil überbrücken und den Schülerinnen und Schülern direkte und persönliche Hilfestellung geben. Nach über zwei Wochen digitalem Unterricht stelle ich fest, dass ich derzeit schon mehr mit didaktischen Fragestellungen als mit technischen Fragestellungen beschäftigt bin. Bei aller persönlichen Begeisterung, was die technologischen Möglichkeiten betrifft, soll meine Arbeit vor allem Schülerinnen, Schüler und Lehrkräfte im täglichen Unterricht unterstützen und die Menschen in den Mittelpunkt rücken.“

 Foto_2: Beschreibung siehe Text im Bericht

Mag. Manfred Klima ist der Mann der Stunde an der Vienna Business School: Er ist federführend für die IT-Infrastruktur an den sechs Schulstandorten verantwortlich, außerdem unterrichtet er an der Vienna Business School Akademiestraße.

Foto: Fabian Klima

Digitale Lernformen:

Challenges motivieren die SchülerInnen

Die aktuelle Situation ist aber auch in puncto Pädagogik eine Herausforderung: „Wir haben natürlich den Vorteil, dass unsere Schülerinnen zwischen 15 und 19 Jahre alt sind und daher schon sehr selbständig arbeiten können“, erzählt Mag. Bernhard Irschik. Er ist Klassenvorstand der 1DK JusHAK, einer neuen Schulform, in der neben den kaufmännischen Inhalten auch eine juristische Grundbildung vermittelt wird. „Ich bin stolz auf die Schülerinnen und Schüler, die schon in der ersten Klasse sehr gut daheim lernen. Großen Respekt habe ich auch vor den Eltern, die gerade bei unseren jüngeren Schülerinnen und Schülern de facto mit unterrichten, sie sind für uns wichtige Kontaktpersonen“, so Irschik, der unter anderem die Fächer „Unternehmensrechnung“ und „Persönlichkeitsbildung und soziale Kompetenz“ unterrichtet.

Konkret wickelt er seinen Unterricht ab, indem er auf eine Kombination von Skype- bzw. Microsoft Teams-Videolehreinheiten, Chat- und Forum-Betreuung sowie zu erledigende Aufgaben und Quizze setzt. Als essentiell erscheint Irschik, dass die Schülerinnen und Schüler im Distance Learning-Prozess angeleitet werden, wie die zu erledigenden Aufgaben zu lösen und wie etwaige Schwierigkeiten zu überwinden sind. Neben dem fachspezifischen Austausch setzt Irschik aber auch auf eine umfassende soziale Betreuung: „Gerade als Klassenvorstand und Coach ist es mir und auch den Schülerinnen und Schülern. wichtig, am Beginn sowie am Ende der Schulwoche eine Klassenvorstandsstunde via Videokonferenz abzuhalten. Hier lassen wir die Woche Revue passieren. Als wir alle gemeinsam über eine lustige Anekdote einer Schülerin lachten, war das richtig herzzerreißend. So etwas verbindet – gerade in diesen Zeiten“, so der Pädagoge. Zugute kommen vielen PädagogInnen jetzt auch ihre speziellen Coaching-Ausbildungen, die der Schulbetreiber Fonds der Wiener Kaufmannschaft anbietet und auch bezahlt.

Sehr gut funktionieren in der aktuellen Situation auch Challenges, erzählt Irschik: „Wir nutzen derzeit gerne die Lern- und Quizplattform playmit.com, die durch das Unterrichtsministerium unterstützt wird. Playmit bietet hochwertige wirtschaftspädagogische Inhalte an, auch am Handy. Die Jugendlichen werden mit Matching und monatlichen Gewinnen motiviert, sich mit praxisorientierten Inhalten zu beschäftigen. Viele unserer SchülerInnen absolvieren hier Challenges. Besonders stolz waren sie natürlich, als die Vienna Business School Schönborngasse in der Schulchallenge für den Monat März geführt hat“, so Irschik.

Doch der Pädagoge räumt auch ein, dass es Schwierigkeiten gibt: „Niemand war auf diese Situation vorbereitet, so dass man jetzt, glaube ich, keine perfekten Abläufe erwarten darf. Aber im Großen und Ganzen versuchen alle – Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Eltern – ihr Bestes zu geben“, so Irschik.

Foto_3: Beschreibung siehe Text im Bericht

Mag. Bernhard Irschik ist Klassenvorstand der IDK JusHAK der Vienna Business School: „Ich bin stolz auf die Schülerinnen und Schüler, die schon in der ersten Klasse großartig von zu Hause aus lernen“, sagt er.

Foto: Bernhard Irschik, Vienna Business School Schönborngasse

Lernen zu Hause:

Herausforderung für SchülerInnen und Eltern

Und wie geht es den Schülerinnen, Schülern und Eltern in der aktuellen Situation? Seraphina und Zeno Grigkar, Schüler der 1DK JusHAK der Vienna Business School Schönborngasse, erzählen: „Diese Zeit bedeutet für uns eine herausfordernde Umstellung. Manches ist schwieriger, manches leichter als im Lernalltag in der Schule. Die Selbsteinteilung des Lernens ist ein guter Weg, sein eigenes Zeitmanagement zu trainieren und zu verbessern. Dadurch, dass unsere Schule technisch gut ausgestattet ist, kommt es zu keinen Komplikationen und die Kommunikation funktioniert einwandfrei. Ein besonderer Vorteil des Distance Learnings ist für uns, dass wir selbst entscheiden können, wann wir welche Aufgaben erledigen möchten und nur einen fixen Abgabezeitpunkt haben. Natürlich vermissen wir unsere Freunde sehr, doch wir nutzen Videoanrufe und sind so oft mehrere Stunden täglich in Kontakt. Wenn Probleme bei Aufgaben aufkommen, helfen uns unsere Eltern, sofern es nötig ist. Für uns ist es eine ungewohnte Situation, dennoch fällt uns diese Phase zunehmend leichter. Wir kommen gut mit dem Lernen zurecht und genießen die dazugewonnenen Freiheiten sehr.“

Eleonore Grigkar, die Mutter von Seraphina und Zeno Grigkar, ergänzt: „Die jetzt geforderte Eigenverantwortung für das Lernen verlangt den Kindern schon einiges ab. Sie müssen selbst ihre Lernzeiten und Pausen planen, geeignete Lernstrategien entwickeln und die Wünsche und Bedürfnisse, die außerhalb des Schulischen liegen, hintanstellen. Das alles ist zwar noch nicht autonomes Lernen im eigentlichen Sinn, aber dabei werden schon wesentliche Fähigkeiten erlernt. Und die Kinder machen es toll!“