Sprachbewusster Fachunterricht

»Sprache im Unterricht ist wie ein Werkzeug, das man gebraucht, während man es noch schmiedet. «

(Josef Leisen, nach Butzkamm, 1989)

Was ist „Sprachbewusster Fachunterricht“?

Sprache ist in allen Bereichen der Schulbildung Medium der Wissensaneignung und -vermittlung. Der sichere Umgang mit der Sprache Deutsch ist demnach auch eine Grundvoraussetzung für das Verstehen der Inhalte und Umsetzen der Aufgaben in allen Schulfächern und den erfolgreichen Einstieg in das Berufsleben. Aus diesem Grund ist es wichtig, die Lernenden auch im fachspezifischen Unterricht beim Erwerb der von abstrakten Inhalten und Schriftsprachlichkeit geprägten Bildungssprache Deutsch zu unterstützen und das dafür bereits vorhandene Potenzial zu nutzen. „Sprachbewusster Unterricht“ soll die Lehrenden und Lernenden mit Werkzeugen ausstatten, mit denen dieses Ziel gemeinsam und nachhaltig erreicht werden kann.

Sprachliche Schwierigkeiten im Unterricht behindern das fachliche Lernen. Schüler/innen mit sprachlichen Problemen scheitern nicht immer an Fach- und Fremdwörtern, sondern an Wörtern und sprachlichen Strukturen, die auf den ersten Blick verständlich erscheinen, deren Bedeutung aber nicht wirklich klar ist (vgl. ÖSZ-Praxisheft 23, Sprachsensibler Fachunterricht in der Sekundarstufe).

Wenn Schüler/innen im Unterricht sprachliche Probleme haben, wirken sich diese nicht nur auf ihre Leistungen im Deutschunterricht aus, sondern auch auf ihren Erfolg in anderen Gegenständen. Vielen von uns sind Situationen der Sprachnot aus der eigenen Schulzeit in Erinnerung, etwa wenn eine Mathematik-Aufgabe nicht gelöst werden konnte, weil die Aufgabenstellung nicht klar war, die Rechenoperation jedoch sehr wohl hätte bewältigt werden können. Es liegt daran, dass dafür bildungs- und fachsprachliche Fertigkeiten nötig sind. (vgl. ebd.)

Bestimmte Strukturen der Bildungs- und Fachsprache können zu Verständigungsschwierigkeiten beim Lesen von Aufgaben führen, die letztendlich deren Lösung behindern.

Alltagssprache

Bildungssprache

Das Bauunternehmen baut Häuser dort, wo Grundstücke billig sind und die in der Nähe von Bahnhöfen liegen.

Die Errichtung von Immobilien wird durch Faktoren wie Grundstückspreise und Anbindung an öffentliche Verkehrsmittel bestimmt.

Wenn ich schneller laufe, komme ich schneller ans Ziel.

Durch die Erhöhung der Geschwindigkeit beim Laufen kann das Ziel schneller erreicht werden.

Passiv-Formulierungen (wird ... bestimmt / kann … erreicht werden), fachsprachliche Ausdrücke (Immobilien), Nominalisierungen (Errichtung) und fachsprachliche oder bildungssprachliche Wendungen (wird von Faktoren wie … bestimmt) erschweren das Verständnis. Ziel eines sprachbewussten Unterrichts ist es, die Schüler/innen durch den Einsatz bestimmter Methoden und didaktischer Werkzeuge für Bildungs- und Fachsprache zu sensibilisieren, sie ihnen näherzubringen, und so dafür zu sorgen, dass sich sowohl ihre Lese- und Schreibkompetenz als auch ihre Lösungskompetenz verbessern.

Schüler/ innen müssen sich fachgerecht und präzise ausdrücken können, wenn sie z. B. eine Versuchsanleitung schreiben, ein Fachreferat halten oder eine Rechenoperation erklären. Schüler/innen bringen diese Kompetenzen nicht »fertig« in die Schule mit, weil der Erwerb von Bildungs- und Fachsprache schrittweise erfolgt. Alle Schüler/innen – egal, ob Deutsch ihre Erst- oder Zweitsprache ist – sollten während ihrer Schulzeit die Chance erhalten, bildungssprachliche Kompetenzen in allen Fächern aufzubauen. In sprachlich heterogenen Klassen und an sozial benachteiligten Standorten sind Fachlehrer/innen besonders gefordert, wenn sie die akademisch geprägte Bildungssprache ihres Faches vermitteln müssen. (vgl. ebd.)

Was heißt „Sprachbewusster Unterricht“ in der Schulpraxis?

Lehrer/innen-Teams nehmen an Fortbildungen zum Thema „Sprachbewusster Unterricht“ teil und setzen die Inhalte an ihren Schulen in der Praxis um:

  • Einsatz von bereits erstellten, sprachbewussten Materialien - auch speziell für BMHS (www.sprachsensiblerunterricht.at)
  • Erstellung von sprachbewussten Materialien in Teams
  • Vernetzung und Austausch mit anderen Teams (z.B. COOL oder CLIL)
  • Vernetzung mit anderen Schulen
  • Implementierung am Schulstandort

Das Projektteam besteht aus:

Mag. Dr. Robert Riegler – Koordination
Mag. Nina Brenner
Mag. Gabriele Ehmoser
Mag. Dr. Sibylle Gratt
Mag. Stefan Lamprechter
FL Bed. Christian Windisch
Mag. Johann Feichtenschlager

Kooperationspartner:

Österreichisches Sprachenkompetenzzentrum (ÖSZ)

Unsere Aktivitäten:

  • Bildung des Projektteams im Auftrag des BMBWF in Kooperation mit dem ÖSZ (www.oesz.at)
  • Durchführung bundesweiter Seminare und schulinterner Fortbildungen in Wien
  • Erstellung sprachbewusster Materialien für die 9. und 10. Schulstufe BMHS (www.sprachsensiblerunterricht.at)
  • Erstellung eines Praxisheftes für die BMHS (Herbst 2018)

Bundesweite Lehrer/innen-Fortbildung:

Die Liste der Seminare finden Sie jeweils über den Newsletter HAKtivitäten.

Kontakt:

Mag. Dr. Robert Riegler: robert.riegler@univie.ac.at
MR Mag. Ingrid Weger: ingrid.weger@bmbwf.gv.at

Verantwortlich für diese Seite: weger